Nr. 9 vom 2. März 2002

Bauernblatt für Schleswig-Holstein und Hamburg

Autor: Dr. Hans Peter Stamp

Logisch ?

Bei städtischen Werken wie z.B. den Stadtwerken Neumünster sollten eigentlich die erforderlichen Zahlen aus dem allgemeinen verbraucherstatistischem Material vorliegen. So kann man in allen möglichen Quellen lesen, dass je nach Einkommenslage private Haushalte knapp 300 Euro monatlich für Nahrungsmittel und Getränke ausgeben, etwas mehr als 10% des Einkommens. Sucht man z.B. im statistischen Jahrbuch aus Wiesbaden, in dem solche Zahlen gut aufbereitet sind, nach den Kosten gleicher Haushalte für die Wasserversorgung, findet man nichts. Der Posten ist zu klein und in irgendeinem anderen Posten wohl unter Wohnen versteckt. Der Blick auf eine zufällig vorhandene Wohnungsabrechnung einer städtischen Vierzimmerwohnung gibt mehr Aufschluss, da sind es 190 Euro pro Jahr, also um die 5% der Nahrungsmittelkosten bzw. gut 0,5% des Einkommens. Das ist ein Posten, den mancher wegen Bedeutungslosigkeit nicht mehr im Kopf hat.

Hätten die Herausgeber der Werkszeitschrift der Stadtwerke Neumünster diese Zahlen präsent gehabt, hätten sie folgende Sätze nicht zum Abdruck gebracht: "Ist es nicht der hohe Preis der Öko-Lebensmittel, der verhindert, dass sie sich in der Verbrauchergunst durchsetzen? Diese Produkte sind nur dann teuer, wenn die Folgekosten nicht mit eingerechnet werden, die durch industrielle Nahrungsmittelfabrikation entstehen. Antibiotika und Pestizide gelangen ins Grundwasser und müssen für teures Geld herausgefiltert werden. Das spürt man dann am Wasserpreis."

Vorweg gesagt, für die Stadtwerke Neumünster scheint es außer Öko-Lebensmitteln nur solche aus "industrieller Nahrungsmittelfabrikation" zu geben, eine Aussage, die für sich spricht und an Einseitigkeit kaum zu überbieten ist. Aber nun zurück zum eigentlichen Thema. Wasserwerke haben zwar Filter. Aber die meisten dieser Filter wären auch vorhanden, wenn es die genannten Stoffe gar nicht gäbe. Einige Ausnahmen gibt es im Kreis Pinneberg, wobei es sich aber überwiegend um Filter gegen Pflanzenschutzmittel handelt, die erstens nur im Baumschulwesen eingesetzt wurden und deshalb für einen Vergleich zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft gar nicht herangezogen werden können. Zweitens geht es um Stoffe, die seit Jahren nicht mehr eingesetzt werden; mit der Folge, dass die gegen sie gerichteten Filter allein schon deshalb für einen aktuellen Vergleich unbrauchbar sind.

Aber selbst wenn es zulässig wäre, die Kosten für diese Filter zum Vergleich heranzuziehen, müssten die Relationen der Kosten zwischen Nahrungsmitteln und Wasser jedem vernünftig denkenden Menschen deutlich machen, dass die Schlussfolgerungen in der Veröffentlichung der Stadtwerke völlig überzogen und im hohen Maße unsachlich sind. Wenn der Ökoweizen doppelt und die Ökokartoffeln dreimal so teuer sind, geht es um Geldbeträge, gegenüber denen irgendwelche zusätzlichen Kosten der Wasserwerke überhaupt nicht ins Gewicht fallen. Es ist schlicht falsch, den Preisunterschied zwischen den Produkten auf diese Weise relativieren zu wollen. Die Ökobauern müssen höhere Preise haben, wenn sie wirtschaftlich zurecht kommen wollen. Und für die meisten Verbraucher geht es dabei um Geldmengen, die sie allenfalls bei Umfragen aber nicht wirklich bereit sind auszugeben. Bei geringfügigen Erhöhungen der Wasserpreise hingegen geht es um so geringe Geldmengen, dass der Verbraucher sie in der Regel nicht einmal zur Kenntnis nimmt. Zur Ehrenrettung der Stadtwerke Neumünster sei eingeräumt, dass der fragliche Aufsatz nicht von eigenen Leuten gemacht wurde. Ein Wort also zum Autor des Machwerks: Bei schiefen Vergleichen der hier vorliegenden Art stößt man nicht selten auf zwei Stichworte, BUND und Gesamthochschule Kassel. Prof. Hubert Weiger ist für beide tätig, und er ist der Autor des Artikels.